Fuchsmunter 2016-11-10T16:35:13+00:00

Meine persönliche Geschichte.

Wie die Fuchs munter wurde.

Ich kann nicht mehr genau sagen, wann die Realität sich das erste Mal in meine Wahrnehmung drängte. Aber sie tat es. Kraftvoll und schmerzhaft zugleich.

Irgendwann Anfang 2013 wurde mir klar, dass in meinem Leben gewaltig etwas schief lief. Ich war kraftlos, lustlos, hatte heftige Schlafstörungen und war immer bis zum Anschlag gestresst. Das Schlimmste war der Hunger. Ich war immer hungrig und das, obwohl ich aß, blieb der Hunger. Es war Hunger auf etwas “Echtes”. Fast Food, Pommes und Co. hingen mir aus Augen, Nase, Ohren und Hals heraus und im Hintern fest.

Was davor geschah.

Nach einer Karriere als leitende Angestellte, einem Abendstudium zur Betriebswirtin und einem beruflich orientiertem Auslandaufenthalt war es 2009 so weit! Ich war arbeitslos. Hatte keinen Spaß dabei und den Frust ziemlich tief in der Tasche sitzen.  

So kam es, nach unzähligen erfolglosen Bewerbungen im Bereich der Logistik und Organisation, dass ich 2010 im Verkauf landete. Filialleitung im Textileinzelhandel. Ich wurde in Krefeld, Mönchengladbach und Bonn eingesetzt. Eins haben diese Orte gemeinsam. Sie liegen nicht vor meiner Haustüre. Ich war täglich zwischen 2 und 3 Stunden nur mit An- und Abreise zur Arbeit beschäftigt.

Zeit, Fahrzeit, Lebenszeit. Zeit sich intensiv zu sorgen. Denn parallel mit der Aufnahme des neuen Jobs, sagte mir meine Mutter, dass sie schwer an Krebs erkrankt war. Neben der Grübelei über die ungewisse Zukunft meiner Mutter, blieb genug Zeit zu lesen. Ich begann Blogs zu lesen und bevorzugt den Blog von MarkusCerenak.com. Er schreibt über das Recht auf selbstbestimmtes Arbeiten und Leben und nennt es “die Befreiung aus dem Hamsterrad.”

Nur über Selbstbestimmung zu lesen, hatte aber noch keinen Einfluss auf meinen Alltag.  Mein Hamsterrad bestand vornehmlich aus: Wenig Schlaf, zur Arbeit reisen, viel und hart arbeiten. Aber ich war fasziniert. Der Gedanke sich hingegen der allgemeinen Meinung – d.h. Arbeit muss keinen Spaß machen, sondern die Rechnungen zahlen – sich selbst zu verwirklichen und trotzdem ein Einkommen zu erzielen, begeisterte mich sehr.

Der Gedanke an  Rebellion war gesät.

Im Sommer 2013 erreichte ich eine Filiale in Heimatnähe. Final Destination: Düsseldorf. Änderte es irgendetwas? Ja! Es wurde schlimmer. Ich war im Arsch. Mittlerweile fühlte ich mich nicht nur seelisch angeschlagen, sondern auch körperlich angegriffen. Ich hatte in der Zwischenzeit eine Rosazea entwickelt, fühlte mich aufgedunsen und aufgebläht. Ich fühlte mich krank. Innen wie Außen.

Aber mein Gedanke war immer noch: “Du musste am Ball bleiben, denn du hast Dich entschieden, diese Filiale zu übernehmen. Ich war nach Düsseldorf gekommen, um zu siegen. Ich wollte erfolgreich sein!”

„Du hast alles, was man braucht, um erfolgreich zu sein“, sagte mir meine Vorgesetzte. Du musst noch wirtschaftlicher arbeiten, mehr Umsatz erzielen, kreativer als alle anderen sein, bessere Quoten machen, dein Team mehr motivieren und das LÄCHELN nicht vergessen. Eins von unzähligen Gesprächen mit ähnlichem Inhalt.

 

Ein Fanatiker ist – in psychologischen Begriffen definiert – ein Mensch, der bewusst einen geheimen Zweifel überkompensiert. – Alous Huxley

 

Ich hatte meine Zweifel und ich war wie besessen vom meinem Ziel, die nächste Stufe der Karriereleiter zu  erreichen. Ich arbeitete weiter hart. Versuchte mir einzureden, mit dem mir überlassenen Teelöffel einen Tunnel graben zu können, wenn ich nur wirklich wollte! Und es bleibt festzuhalten. Ich lächelte dabei. ;-)

Es wurde Winter 2013. Eines Tages, ich war mal wieder sau müde. Meine Mutter mit einem weiteren Befund, die Umsatzzahlen nicht den Wünschen entsprechend und ich irgendwo dazwischen.

Ich war fertig und mir wurde klar, dass ich einen Scheiß muss. Ich blieb einfach stehen. Mitten in der Hauptgeschäftszeit. Mitten im Laden, inmitten all dieser Menschen, die so aussahen, wie ich mich fühlte. Dauertrauig, müde und krank.  Mechanisch und ferngesteuert liefen die Menschen durch den Laden auf der Suche nach einer schönen Hülle, für ihre gestressten Körper und Seelen. Ich war ein Modezombie umgeben von  Modezombies.

Vor Schreck kaufte ich mir erst mal einen Pullover. Davon hatte ich erst 30 Stück. Aber ich musste dieses fiese Gefühl, dass meinen Zweifel an meinem eigenen Handeln gerechtfertigt sein könnte, loswerden. Konsumforscher nennen es “Kompensation von negativen Emotionen durch Kaufen”. Es  ist ein weitverbreitetes Verhalten. Es ist der schnelle Kick und das kurze Glück, das kurzweilige Vergessen kleiner und großer Frustrationen. Das Vergnügen endet mit dem Abstellen der Tüte, neben die anderen Tüten, wo man sich schon nicht mehr erinnert, was sich darin befindet.

Beginn der  Revolution.

Mein Leidensdruck wurde mir bewusst. Ich war in einem Job unterwegs, den ich eigentlich nicht machen wollte, ich war körperlich runter gewirtschaftet und seelisch stark angeschlagen. Ich wusste, dass nur ich mich selbst retten kann. Nur wie ich das anstellen sollte, war mir nicht klar. Ich hatte bereits Monate darüber nachgedacht, was ich eigentlich will und was mir in diesem Leben wichtig ist. Ein anstrengender und folgenreicher Prozess war in Gang gekommen. Ich versuchte mich zu erinnern, woran ich in meiner Vergangenheit Spaß hatte. Was würde mir heute Spaß machen? Was interessiert mich? Die Mühe der Suche wurde belohnt. Ich fand etwas.

Der rote Faden.

Da gab es ein Thema, das mich schon Jahre begleitete. Ich habe mich immer gerne bewegt. Ich erinnere mich, wie ich mit 10 Jahren das erste Mal auf einem Pony saß, und wir die  Obstbäume bei unseren Streifzügen durch die Wiesen und Wälder geplündert haben. Ich habe es geliebt auf  meinem roten Kinderfahrrad zu meinen Großeltern zu fahren, die ländlich gewohnt haben. Und auch später darauf folgten Exkurse auf Inlinern, Besuche einiger Fitnessstudios, Schwimmen vor der Arbeit, MTB fahren und selbst als meine Zeit wirklich knapp wurde, bin ich zu allen Tageszeiten durch den Stadtwald gejoggt.

Hinzugekommen war das Bedürfnis nach einer Ernährung, die den Namen verdient. Es gibt meines Erachtens viele Angebote, die einen “abspeisen” aber nur wenige, die ihre Aufgabe, nämlich gut zu schmecken und nahrhaft zu sein, erfüllen. Dieses Licht ging mir auf, als ich eines Tages während der Mittagspause in der Düsseldorfer Altstadt stand und nichts Essbares fand. Meine Bedürfnisse waren identifiziert. Die Situation blieb unverändert.

Anfang 2014. Meine Mutter verkündete mir, dass es ein Scheißjahr werden würde. Sie war final erkrankt und mir wurde  mit einem Schlag bewusst, dass ich radikale Entscheidungen treffen muss, wenn mein Leben für mich einen Sinn ergeben soll.

Ein aufreibender Prozess des Aufkündigens begann ohne, dass ich schon einen fertigen Plan in der Tasche hatte. Ich sprach mit meinem Umfeld über meine Wünsche mich zu verändern und etwas ganz anderes machen zu wollen. Das ich mich intensiv mit den Themen: Ernährung und Bewegung beschäftigen möchte. Ich erkundigte mich nach Ausbildungsmöglichkeiten, vom Studium der Ökotrophologie bis hin zur Diätassistentin war alles dabei. Ich scheiterte zunächst an der Frage der Finanzierung und arbeitete weiter. Aber ich blieb aufmerksam. Und dann war das Angebot plötzlich da! Eine Teilzeitstelle in einem Fitnessstudio und das sogar  in meinem Wohnort. Perfekt! Indem ich zunächst meine bereits vorhandenen Fähigkeiten einsetzte und im Anschluss, in diesem neuen Umfeld, eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin und Fitnesstrainerin machen könnte.

Die Möglichkeit meine Mutter in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten und gleichzeitig in den Themenbereich zu wechseln, der mich erfüllt, war eine einzigartige Gelegenheit. Ich schlug mit allen sich daraus ergebenen Konsequenzen zu!

 

Man hat nur Angst, wenn man mit sich selbst nicht einig ist. – Hermann Hesse

 

Das Leben schlug zurück. Big Bang! Meine Mutter verstarb Mitte 2014 im Alter von 60 Jahren. Mit ihrem Tod wurde es für mich noch wichtiger einen Lifestyle zu finden, der mich erfüllt. Der Wunsch, meine Lebenszeit mit Dingen zu verbringen, die mir wichtig sind, mich  interessieren und begeistern, wurde noch stärker. Dass Lebenszeit begrenzt ist, ist keine Neuigkeit. Doch, dass es auch Menschen trifft, die man für unsterblich hält?! Das Gefühl ist ungeheuerlich!

Aber so wurde ich munter! Fuchsmunter! Fuchsmunter ist der Beweis dafür, dass große Veränderungen im Leben möglich sind, auch wenn man seinen Kaffee nur mit Wasser kocht.

So geht die Geschichte weiter.

Heute habe ich die Ausbildung zur Ernährungsberaterin und Fitnesstrainerin absolviert. Ich suche nach unkomplizierten Rezepten und Arbeitserleichterungen in der Küche, erkläre Ernährung, beschäftige mich kritisch mit Lebensmittelqualität und Lebensmittelherkunft und gehe meinem Hobby, dem Sport, intensiv nach.

Nicht jeder will und muss ein sportbegeisterter  Biofood Junkie sein. Aber jeder ist für sich und selbst und seinen Körper verantwortlich. Meine Erfahrung bestätigt, dass das allgemeine Interesse der Wirtschaft und der Gesellschaft an deiner Gesundheit gering ist. Durch meinen veränderten Lifestyle habe ich einen gesundheitsorientierten Alltag entwickelt, den ich hier auf Fuchsmunter mit Dir teile.

Warum solltest Du Dich für einfachen und gesunden Lifestyle interessieren?

Weil Du es Dir Wert bist!

Ich Grüße Dich herzlich!

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