• Sonja Fuchs

Vor einigen Tagen habe ich den Minimalismus-Stammtisch von Chris und Andrea besucht. Beide schreiben auf weggedacht.de über Minimalismus, Nachhaltigkeit und Digitalen Nomadentum. Dieser Stammtisch ist öffentliche und bietet die Möglichkeit spannende Menschen kennenzulernen, die sich auch mit dem Thema Minimalismus beschäftigen. Dort habe ich Silke kennengelernt. Sie ist nicht nur Minimalistin, sondern auch Digitale Nomadin. Sie berichtete von den Schwierigkeiten, ihr Leben in fünf Umzugskisten zu packen, ohne eigene Wohnung zu leben und ihren Plänen und Zielen für die Zukunft. Sie schreibt auf minimalisch.de darüber, was nach dem Minimalismus kommt und wie man mit kleinem Budget gut reisen kann. Zurzeit ist sie auf dem Weg nach Asien, um dem Winter zu entgehen.

Das Thema Minimalismus beschäftigt mich seit längerem und das Treffen mit dem Stammtisch hat mich erneut wachgerüttelt, denn ich habe eine ganze Zeit heftig bei mir ausgemistet. Nicht, weil ich mein Hab und Gut auf einen Koffer berschränken möchte, um damit die Welt zu bereisen, sondern weil ich diesen ganzen Krempel als Ballast empfinde. Ballast, der mich daran hindert voran zu kommen und mich zu entfalten. Denn heute bin ich davon überzeugt, dass überflüssiger Besitz das Leben einschränkt. Insofern einschränkt, dass man Sorge für Dinge trägt, die man nicht zum Leben benötigt. Diese Dinge kosten Zeit, Geld und Nerven und bereichern unser Leben selten. Mich hat übermäßiger Bekleidungskonsum erst zum Fall und dann zur Vernunft gebracht.

Mein Bekleidungskonsum war schon immer groß. Mit dem Einstieg in die Textilbranche genauer gesagt mit dem Verkauf von Textilien entgleiste er völlig. Damit stand mir Kleidung, vermeintlich vergünstigt, jeden Tag und immer wieder neu zur Verfügung. Ich kaufte Kleidung, als gäbe es keinen Morgen mehr! Was ist die Steigerung von Kaufen? Wenn man nicht nur kauft, sondern häufig kauft. 2-3 Mal die Woche. Dann doch umtauschen, um es erneut zu kaufen, weil man es doch haben will. Es ungetragen in den Schrank hängt und gleich vergisst, dass man es gekauft hat. Wenige Tage später erneut einkauft und beim Einräumen feststellt, dass genau diese oder ein sehr ähnliches Kleidungsstück schon im Schrank hängt! Ist das nur Überkonsum oder schon krank? Spätestens, wenn das Gefühl aufkommt, nichts Passendes zum Anziehen in diesem Überfluss zu finden, schürt es den Verdacht, dass es krankhaft sein könnte.

Irgendwann wurde es eng im Ankleidezimmer. Ich begann in aufwendigen Aktionen die Dinge, natürlich für viel weniger Geld, wieder zu verkaufen. Das hat genervt. Mir wurde klar, dass ich meine Lebenszeit gegen Arbeitslohn tauschte, um die Klamotten überhaupt erst kaufen zu können. Dann musste ich erneut Lebenszeit investierten, um die Sachen regelrecht wieder los zu werden. Wie bescheuert. Ein Plan musste her! Ich beschloss für jedes neu gekaufte Teil, drei Teile aus meinem Bestand verschwinden zu lassen, bevor ich ein Neues kaufen durfte. Damit konnte ich nicht mehr sofort kaufen und hatte Zeit darüber nachzudenken. Am Anfang habe ich es mir einfach gemacht und Sachen, die nicht mehr ganz so toll waren, in den Altkleidercontainer geworfen. Darauf folgten Aktionen bei eBay, eBay Kleinanzeigen, Kleiderkreisel, Trödelmarkt, Schenkungen an Familie, Freunde und Kollegen, Sozialkaufhäuser. Und das Zimmer war immer noch voll!

Eines Tages habe ich mir die Zeit genommen und habe die Menschen beobachtet, die sich im Laden aufhielten. Vielleicht hatte ich die Zeit auch nur, weil ich selbst eine Pause brauchte. Das Arbeiten im Einzelhandel ist kein Zuckerschlecken. Die Blicke der Menschen waren überwiegend leer oder gehetzt und alle wirkten getrieben. Selbst ihre Bewegungen wirkten mechanisch. Es machte sich Unbehagen in mir breit. Mir stellte sich die Fragen: “Sind das noch Menschen oder schon Modezombies?“

Diese Beobachtung hat mich lange beschäftigt. Zumal mir langsam aber sicher klar wurde, dass ich mit meinem Kaufverhalten selbst etwas kompensierte. Meine Laune besserte sich während des Einkaufs und sobald die Tüte zu Hause abgestellt war, war das gute Gefühl des Kaufens verpufft. An meiner Arbeitssituation und Lebenssituation änderte das nichts. Die Erkenntnis lag nah. Ich war selbst ein Modezombie! Ich konnte mich genauso wenig glücklich kaufen, wie die anderen da draußen!

Das war der Anfang vom Neuanfang. Ich schränkte mich noch mehr ein, indem ich nicht mehr im „eignen Laden“ kaufte. Außerdem hörte ich auf für potenzielle Anlässe zu kaufen, die im Leben doch nicht stattfanden. Dann kaufte ich nur noch selten, weil mich meine eigenen Regeln stressten. Letztendlich hörte ich auf in dieser Umgebung zu arbeiten und suchte mir einen Halbtagsjob. Ich habe mich bewusst entschieden, weniger zu Arbeiten und damit auch weniger Geld auszugeben. Dafür habe ich jetzt mehr Zeit für mich. Ich beschäftige mich mit Dingen, die mir Spaß machen und mich interessieren. Happy zu sein mit dem was man tut, , ist eine gute Voraussetzung, um sich gar nicht erst glücklich kaufen zu müssen.

Das Leben, das wir heute haben, ist das Einzige, was uns zur Verfügung steht. Man kann sich kein Neues kaufen, wenn das Alte nicht mehr gefällt. Aber man kann sein Leben gestalten. Ich habe einfach mit der Gestaltung begonnen. Mein größter Gewinn ist bis dato mein gutes Verhältnis zum Montagmorgen. Ich habe keine Angst mehr, wenn die Woche beginnt und ich schlafe montags immer aus.

Ich bin erst 18 Monate raus aus der Knochenmühle des Einzelhandels und arbeite kontinuierlich an weiteren Vereinfachungen. Leider habe ich immer noch viel Krempel auf einer relativ großen Wohnfläche. Das Ankleidezimmer gibt es immer noch, nur dass es nicht mehr randvoll ist. Der nächste Schritt ist dieses Zimmer abzuschaffen. Wie lange das dauern wird, kann ich nicht sagen. Aber ich weiß, dass es mir nicht leicht fallen wird, mich von dem Statussymbol „große Wohnung“ zu trennen. Vielleicht überlebe ich diesen Verlust oder komme erst gar nicht ans Ziel. Wer weiß schon, was morgen ist?

Viele Grüße,

Signatur

 

 

PS: Weil Du es Dir Wert bist!

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By | 2017-03-31T21:12:16+00:00 15.11.2015|Tags: , , , |0 Kommentare

About the Author:

Ich bin Sonja Fuchs alias Fuchsmunter. Ich habe bis Anfang 2014 in der freien Wirtschaft gearbeitet und kurz vor dem Burnout die Notbremse gezogen. Ich habe meinen Job gekündigt, arbeite jetzt halbtags in einem Fitnessstudio, habe eine Ausbildung zur Fitness- und Ernährungstrainerin gemacht und beschäftige mich intensiv mit einfachem und gesunden Lifestyle.

Wenn ich keinen Sport treibe, ein neues Rezept ausprobiere oder einen neuen Kniff teste, der das Leben leichter macht, dann schreibe ich hier darüber.

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