• Apfel

Eine Frage die mich schon eine gute Weile beschäftigt. Nicht nur weil ich das Phänomen, der in die Breite wachsende Bevölkerung verstehen möchte, sondern auch, weil ich dieses Verhalten an mir selbst beobachte.

Ich habe einen intensiven Bezug zum Thema Ernährung und gleichzeitig unterstelle ich meinem Mitmenschen, dass sie im wesentlichen die Grundregeln einer ausgewogenen Ernährung kennen. Das reicht trotzdem häufig nicht aus, um sich gesund und ausgewogene zu ernähren.

Zunächst sind die Begrifflichkeiten zu differenzieren, denn Essen und Ernähren sind zwei völlig unterschiedliche Dinge, auch wenn wir das gleiche Gericht zu uns nehmen.

Wenn wir darüber sprechen Nahrungsmittel zu uns zunehmen, dann sprechen wir von Essen. Und wir essen mit allen Sinnen. Häufig wird ein Essen mit dem Ausspruch „ Das riecht aber gut“ gelobt, obwohl es noch nicht probiert wurde. Aber der Geruch ist verheißungsvoll und wir haben Lust zu essen. „Das Fleisch zergeht auf der Zunge“ oder auch „Der Geschmack ist göttlich“ sind häufig genutzte Ausrufe, um unsere Begeisterung über das Erlebnis des Essens zum Ausdruck zu bringen. Essen bereitet uns Vergnügen, macht Spaß und ist mit einer Vielzahl von Emotionen belegt.

Wenn wir von Ernährung sprechen, wird es unromantisch. Selten wird ein Geruch nach gutem Essen damit erklärt, dass es sich um eine Kombination von Nahrungsmitteln mit einem geringem glykämischen Index und einer geringen glykämischen Last handelt. Niemand denkt darüber nach, welche Fettsäuren sein Fleisch oder Fisch gut schmecken lässt und ob das  Gemüse den täglichen Ballaststoffbedarf deckt. Diese Fakten spielen im Bewusstsein des Essenden keine Rolle.

Essen ist somit eng mit Emotionen verbunden und sich ernähren erfolgt eher zweitrangig. Doch nicht nur Emotionen verleiten uns zu unbedachtem Essen, sondern es gibt eine lange Liste an Motiven für unsere Lebensmittelauswahl.

  • Geschmacksanspruch (Schoki mit Mandeln ist die leckerste Schoki)
  • Hungergefühl (Ich habe JETZT hunger und muss das JETZT essen)
  • ökonomische Bedingungen (Oh! Ein Sonderangebot, dass kann ich nicht ausschlagen)
  • kulturelle Einflüsse (Croissants et Café au lait s.t.p.)
  • soziale Gründe (beim Italiener um die Ecke kann man gemütlich sitzen und plaudern)
  • traditionelle Einflüsse (Weihnachtsplätzchen)
  • Fitnessüberlegung (soll gut für die Ausdauer sein
  • Schönheitsüberlegungen (halte Diät, um schlank zu bleiben)
  • Angst vor Schaden (Schadstoffbelastung oder Antibiotika)
  • Ernährungsstil (vegetarisch oder vegan)

Dies ist nur eine kleine Auswahl an Gründen für oder gegen die Entscheidung von Lebensmitteln, aber es wird trotzdem sichtbar, dass der Anspruch immer eine gesundheitsorientierte Entscheidung zu treffen, nicht möglich ist. Bei der Nahrungsmittelauswahl ist es quasi wie beim Sex, denn Sex ist eher Vergnügen, als das er der Arterhaltung dient.

Leider ist das nur die Spitze des Eisbergs. Unser Essverhalten hat sich mit zunehmender Produktivität unseres Landes nachteilig entwickelt. Aufgrund der Hektik und dem Stress, dem viele Menschen ausgesetzt sind, haben wir die Beziehung zu unseren Lebensmitteln verloren.

Lebensmittel erhalten keine Wertschätzung.  Anders sind die Unmengen von auf den Müll geworfene Lebensmittel nicht zu erklären. Außerdem sind sie sind häufig bis zur Unkenntlichkeit verarbeitet. Damit ist indirekt auch der Verlust des Ursprungs verbunden.  Denkt ihr an Kabeljau, wenn ihr Fischstäbchen seht? Besonders dramatisch wird es, wenn kein Bezug mehr zu einem Lebewesen hergestellt werden kann, wenn man an einer Fleischtheke vorbeigeht.

In vergangenen Zeiten, gab es Familienessen, ein besonderes Gericht an einem bestimmten Wochentag, familientypische Gerichte oder Leibgerichte. Man war über die Lebensmittel emotional und sozial gebunden. Doch mit steigender Mobilität und dem damit zunehmenden „Außer Haus Verzehr“ haben sich Tischgemeinschaften aufgelöst. Eine emotionale Bindung an heimische Lebensmittel wird heutzutage nur noch im Urlaub sichtbar. Wir essen in Thailand, Tunesien, Spanien gerne mal beim „Schnitzel Huber“ oder „Hausmannskost“, um unserer Heimat ein Stückchen näher zu sein. Wenn keine „heimische Kost“ zur Verfügung steht, dann wählen wir den internationalen Einheitsgeschmack in Form einer Fast Food Kette. Da können wir uns sicher sein, dass wir was Gutes zu essen bekommen, behauptet zumindest die Werbung.

Medienstrategien bringen das Fass zum überlaufen. Ernährung in all ihren Facetten ist ein beliebter Kommunikationsgegenstand der Medien. Mit der Folge, dass wir entweder beeinflusst werden in unseren Entscheidungen oder verwirrt mit der Vielzahl an Informationen, die häufig mit gegensätzlichen oder sich aufhebenden Inhalten versehen sind.

Bei der Fülle an Faktoren und den zusätzlichen Schwierigkeiten, wie das Zeitmanagement, Beschaffung und Logistik der Lebensmittel, Qualitätssicherung und die Berücksichtigung von Nährstoffrelationen ist es eine riesige Herausforderung sich selbst gerecht zu werden. Ich plädiere deshalb auf Freispruch  von negativen Gefühlen sich selbst gegenüber, wenn es  darum geht, nicht die richtige Lebensmittelentscheidung getroffen zu haben. Diese Energie kann man auf die Verbesserung von Umständen, Abläufen und Gewohnheiten verwenden.

Hast du schon einmal bewusst darüber nachgedacht warum du dich für oder gegen ein Lebensmittel entscheidest? Welche Auswahlkriterien spielen für dich eine Rolle? Ich freue mich sehr auf deinen Kommentar!
Herzliche Grüße

Sonja

P.S.: Weil Du es Dir Wert bist!

 

 

By | 2016-11-27T10:01:34+00:00 30.03.2015|Tags: , , , |6 Comments

About the Author:

Ich bin Sonja Fuchs alias Fuchsmunter. Ich habe bis Anfang 2014 in der freien Wirtschaft gearbeitet und kurz vor dem Burnout die Notbremse gezogen. Ich habe meinen Job gekündigt, arbeite jetzt halbtags in einem Fitnessstudio, habe eine Ausbildung zur Fitness- und Ernährungstrainerin gemacht und beschäftige mich intensiv mit einfachem und gesunden Lifestyle.

Wenn ich keinen Sport treibe, ein neues Rezept ausprobiere oder einen neuen Kniff teste, der das Leben leichter macht, dann schreibe ich hier darüber.

6 Kommentare

  1. Sirpa Di 31. März 2015 @ 7:24 um 7:24 Uhr - Antworten

    Hey Sonja,

    prima. Erst einmal herzlichen Glückwunsch, toll gemacht.

    Auch wenn das Thema für mich als solches ja nicht neu ist und auch eines meiner Steckenpferde, finde ich es super geschrieben und toll auf den Punkt gebracht!

    Super der Satz mit dem Mops :-). Ich bin gespannt, wo der Fuchs und der Mops noch so herumtoben und werde dem Fuchs auf der Spur bleiben.

    Der Löwe ;-) wünscht dir ganz viel Freude und Erfolg mit deinem Blog!!!!!

    • Sonja Do 2. April 2015 @ 23:29 um 23:29 Uhr - Antworten

      Liebe Sirpa,

      ich wäre im Leben nicht so weit gekommen, wenn du mich nicht inspiriert hättest! Der Gedanke „Ausbruch aus dem Hamsterrad“ ist dir zur verdanken. Ich weiß noch sehr genau, wie du bei mir im Laden gestanden hast und mich gefragt hast, ob das alles Not tut. Heute ist alles Neu und ich liebe was ich tue, auch wenn es nicht einfach ist. Ich folge jetzt meiner neuen Philosophie die da heißt „einfach machen“, dann kommen Mops und Fuchs auch fröhlich durch die Weltgeschichte. Ich freue mich sehr das es dir der Artikel gefällt, da ich dich auch aufgrund deines Wissens, zu meinen besten Kritikeren zähle.

      Herzliche Grüße !!!

  2. Gregor Di 31. März 2015 @ 19:52 um 19:52 Uhr - Antworten

    Hallo erstmal!
    Ich achte auf Lebensmittel die aus der Region kommen, soweit das noch möglich ist. Denn was nutzen mir der gesunde Apfel wenn er eine Reise von über 4000 Km hinter sich hat. Der ökologische Wahnsinn lässt grüssen.

    Das Lebensmittel ihre Wertschätzung verloren haben, liegt daran das Lebensmittel zur Speckulationsware verkommen.

    Dazu kommt noch die Tatsache das alles im Überfluss produziert wird um die Preise zu drücken und das wegwerfen wird noch von der EU finanziert.

    Schöne Welt halt eben.

    • Sonja Mi 1. April 2015 @ 12:04 um 12:04 Uhr - Antworten

      Hallo Gregor,

      herzlichen Dank für das lesen des Artikels und für deinen Kommentar. Ich gehe konform mit deinem Ansatz, Lebensmittel aus der Region zu kaufen. Des Weiteren schaue ich, dass ich saisonal einkaufe. Dennoch gibt es das ein oder andere, insbesondere Obst, wo ich mir darüber im klarem bin, dass es weit gereist ist. Ich liebe z.B. Passionsfrüchte oder auch Ananas.

      Lebensmittel sind Spekulationswaren, aber ich denke das geht zu Lasten der Qualität und der Welternährungssituation. Wenn ich von Wertschätzung von Lebensmitteln spreche, dann meine ich eher, Lebensmittel die nicht mehr dem Anspruch genügen (Optik oder theoretische Haltbarkeit) und deshalb entsorgt werden, sowohl in den Supermärkten als auch in den Haushalten.

      Was mich im Rahmen der EU besorgt, ist die Tatsache dass die Lebensmittelindustrie in Form von Lobbyarbeit, ihre Einflüsse geltend macht und am Ende, verbleibt der Verbraucher mit einem unsicheren Produkt und den Profit stecken nur wenige ein.

      Ich wünsche mit zunächst einmal mehr Bewusstsein in Bezug auf den Zusammenhang : Lebensmittel und Körper, daraus ergibt sich unweigerlich der Gedanke Lebensmittel und Umwelt.

      Viele Grüße
      Sonja

  3. Gregor Mi 1. April 2015 @ 19:44 um 19:44 Uhr - Antworten

    Im Grunde genommen Stimme ich dir zu. Aber für einen gute Lebensqualität braucht es mehr als gute Lebensmittel.

    Hast du den Film gesehen „Fast the Waste“! Das musste schon ausreichen um zu erklären welche Wertschätzung Lebensmittel in der hiesigen Gesellschaft zur Zeit haben.

    Viele grüße
    Gregor

    • Sonja Do 2. April 2015 @ 23:15 um 23:15 Uhr - Antworten

      Ja, für eine gute Lebensqualität braucht es bestimmt sehr viel mehr, als nur gute Lebensmittel, da gehe ich absolut mit dir. „Taste the Waste“ habe ich noch nicht gesehen, aber ich habe von dieser Dokumentation bereits gehört. Er steht auf meiner „das würde ich auch gerne sehen“ Liste. Vielleicht bekomme ich meine Gelegenheit noch einmal auf Arte oder 3Sat. Ansonsten versuche ich mit gutem Vorbild voranzzugehen und mit diesem Blog auch ein Stückweit zum Bewusstsein der Menschen beizutragen. Viele Grüße – Sonja

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