Ifformation statt Affirmation: Wie Fragen dein Selbstgespräch verändern können

Titelbild „Ifformation statt Affirmation“ mit drei Kärtchen „Create Your Future“ vor Holz-Hintergrund

Mein Sonntagsmoment mit einem Podcast

Vielleicht hast du auch schon Affirmationen ausprobiert – und dich dabei ertappt, dass du dachtest: „Ja klar… wers glaubt, wird selig.“

Mir ging es jedenfalls schon so. Deshalb hat mich der Titel des Podcasts „Psychologie to go! Über den Sinn (und Unsinn) von Affirmationen“ sofort angesprochen.

Und weil gerade Sonntagmorgen war, ich bis zur Laufverabredung noch Zeit hatte, habe ich mir einen Kaffee ins Bett geholt und den Podcast ganz in Ruhe angehört – ohne irgendetwas nebenbei zu machen.

Sonntagsfeeling vom Allerfeinsten!

Klarheit und Praxisnähe

Podcast-Cover „Psychologie to go!“ zum Beitrag über Ifformation: Warum Fragen oft hilfreicher sind als klassische Affirmationen.

In ihrem Podcast „Psychologie to go!“ gibt die Psychotherapeutin Franca Cerutti spannende Einblicke in ihre Arbeit.

Hier findest du die Episode „Über den Sinn (und Unsinn) von Affirmationen“, die mich zu diesem Blogartikel inspiriert hat.

Franca Cerutti ist seit über 20 Jahren als Psychotherapeutin tätig und bekannt für ihre direkte, praxisnahe Art, psychologische Themen verständlich und alltagstauglich zu vermitteln.

Wenn du mehr über sie erfahren möchtest, findest du weitere Informationen auf ihrer Website.

Affirmationen zwischen Pop-Psychologie und Forschung

Im Podcast wird deutlich: Zwischen populären Affirmationen und psychologischer Forschung klafft eine große Lücke. Während in der Pop-Psychologie Kärtchen mit Sprüchen wie „Ich bin liebenswert“ oder „Ich bin mutig“ hoch im Kurs stehen, findet man im Psychologiestudium kaum etwas dazu.

Studien zeigen sogar: Für Menschen mit geringem Selbstwertgefühl können solche übertrieben positiven Aussagen nach hinten losgehen. Statt Zuversicht entsteht Widerstand – Fachleute sprechen hier vom Backfire-Effekt.[1]

Spannend ist, dass sich die Forschung an einem anderen Punkt bewegt: Sie untersucht nicht vorgefertigte Sprüche, sondern Wertearbeit – Menschen befassen sich schriftlich mit dem, was ihnen wichtig ist, etwa Kreativität, Humor oder gute Beziehungen. Diese Form der Selbstbekräftigung wirkt als Puffer: Sie macht weniger defensiv in schwierigen Situationen und stärkt das eigene Selbstbild.

Genau hier wird auch der Unterschied greifbar: Affirmationen sind deklarative Aussagen („Ich bin mutig“) – sie können helfen, wirken aber bei vielen zu weit weg und provozieren innere Gegenargumente.

Die Ifformation arbeitet dagegen mit einer offenen Wenn-Frage („Was wäre, wenn ich heute mutig auftrete?“). Sie behauptet nichts Unwirkliches, dockt eher an persönliche Werte und Prozesse an und eröffnet so realistische nächste Schritte.

Ifformation, was?

Zitatbild mit einer Ifformation: „Welche neue Möglichkeit könnte sich ergeben, wenn ich mir erlaube, bewusst und gelassen zu essen?“
Warum heißt es „IF“-formation?
„IF“ kommt vom englischen if = wenn/falls. Die Methode arbeitet bewusst mit Wenn-Fragen („What if…?“ / „Was wäre, wenn…?“). Dieses „Wenn“ senkt den inneren Widerstand, weil es keine fertige Wahrheit vorgibt, sondern einen gedanklichen Spielraum anbietet.
Was ist eine Ifformation?

Damit ist die Ifformation eine Selbstbekräftigung in Frageform. Statt „Ich bin …“ (Behauptung) stellst du dir eine hypothetische Frage, z. B. „Was wäre, wenn ich heute bewusst und gelassen esse?“ 

Der Kern: Die Frage öffnet Möglichkeiten, ohne etwas Unwirkliches zu behaupten. So bleibt sie glaubwürdig und anschlussfähig.

So formulierst du deine eigene Ifformation:

Eine Ifformation entsteht nicht einfach aus dem Bauch heraus, sondern folgt ein paar klaren Prinzipien.

Die folgenden Punkte helfen dir, deine Fragen so zu formulieren, dass sie wirklich wirksam werden.

Sie sorgen dafür, dass deine Ifformation realistisch bleibt, nah an deinem Alltag anschließt und dich gleichzeitig stärkt.

  1. 1
    Stelle die Frage in der Gegenwartsform und wähle positive Begriffe. So bleibt sie nah an deiner Erfahrung und vermeidet Negationen.
  2. 2
    Richte die Frage auf deine konkrete Situation und Bedürfnisse. Je persönlicher, desto wirksamer.
  3. 3
    Wähle eine Formulierung, die sich für dich realistisch anfühlt.
  4. 4
    Knüpfe die Frage an Eigenschaften oder Prozesse, die du stärken willst – nicht an ein Endergebnis. 
  5. 5
    Verbinde die Frage mit einem Gefühl, das du erleben möchtest. Stell dir vor, wie es sich anfühlt, wenn du diese Qualität lebst – so verankert sie sich tiefer.
  6. 6
    Stell dir die Frage immer dann, wenn sie dir nützt.

Mit diesen Schritten findest du Formulierungen, die nicht nur schön klingen, sondern dich auch tatsächlich in Bewegung bringen. 

Am besten probierst du es einfach aus: Wähle eine Frage, die sich für dich stimmig anfühlt, und lass sie ein paar Tage in deinem Alltag wirken. 

Achte darauf, welche kleinen Veränderungen sich zeigen – oft reicht schon eine einzige, glaubwürdige Ifformation, um neue Möglichkeiten zu entdecken und deinem Ziel Schritt für Schritt näherzukommen.

Fragen, die Türen öffnen

Es ist nicht abwegig, die Ifformation als ein bislang nicht empirisch belegtes Werkzeug zur Selbstverstärkung zu sehen. In der Podcastfolge wird zwar deutlich, dass es bisher kaum wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt und die Methode nicht als eigenständige Technik in der Fachliteratur beschrieben ist.

Trotzdem wirkt sie in der Praxis plausibel: Über hypothetische Fragen lassen sich neue Denkmuster anstoßen – vorausgesetzt, sie bleiben glaubwürdig und werteorientiert.

Spannend ist, dass Selbstverstärkung eine zentrale Rolle in der kognitiven Lerntheorie spielt: Wer sich selbst glaubwürdig ermutigt, stärkt nicht nur das eigene Verhalten, sondern auch die Bereitschaft, neue Wege zu gehen.

Für mich als Ernährungs- und Fastencoach passt die Ifformation hervorragend zu meinem lösungsorientierten Coaching. Auch hier geht es darum, den Blick auf die eigenen Ressourcen zu richten und Möglichkeiten zu denken, die vorher vielleicht gar nicht sichtbar waren.

Sätze wie "Was wäre, wenn ich heute achtsam mit meinen Esspausen umgehe?" oder „Wie würde es sich anfühlen, wenn ich heute Entscheidungen für mich treffe, die auf mein Ziel einzahlen?“ sind greifbar und stärken das Selbstvertrauen. Übertriebene Sprüche hingegen setzen nur unter Druck.

Kleine, wertorientierte Fragen öffnen dagegen neue Türen – und können so den Weg zu einer gesunden Ernährung und regelmäßigen Esspausen sinnvoll unterstützen.

Klingt das für dich genauso plausibel wie für mich? Ich freue mich auf deinen Kommentar und bin gespannt, welche Gedanken dir dazu kommen.

Herzliche Grüße – und denk daran: Dein inneres Gespräch kann ein starker Begleiter sein!

Dein Ernährungs- und Fastencoach

PS:  Jetzt ist immer der richtige Zeitpunkt die Veränderungen vorzunehmen, damit es dir gut geht. Weil du es dir wert bist!

[1] Studie über den "Backfire- Effekt" von Affirmationen

Wood JV, Perunovic WQ, Lee JW. Positive self-statements: power for some, peril for others. Psychol Sci. 2009 Jul;20(7):860-6. doi: 10.1111/j.1467-9280.2009.02370.x. Epub 2009 May 21. PMID: 19493324. (Abgerufen am 17.08.2025)

  • Danke, dass du die pop-Psychologie und Affirmationen beleuchtest. Bei mir haben die tatsächlich genau diese Wirkung von „Wem willst du denn hier diesen Quatsch einreden?“ Es kann ja gut sein, dass sie bei manchen anderen Menschen wirklich etwas bringen. Aber es ist so hilfreich und wichtig zu hören, dass das Nachhintenlosgehen sogar erforscht ist.

    Denn wenn jemand so runter ist mit den Nerven, dass er oder sie Affirmationan ausprobiert und die bringen auch nichts, dann kommt noch so ein unseliges Gefühl des scheinbaren Scheiterns als Sahnehäubchen obendrauf.

    Der unübersichtliche Markt an populärpsychologischen Büchern hat echt Vor- und Nachteile.

    Liebe Grüße
    Angela

    • Hallo Angela,

      herzlichen Dank fürs Lesen und deinen Kommentar. Mich hat es ebenfalls entlastet zu hören, dass Affirmationen nicht für alle funktionieren – wir sitzen da wohl im gleichen Boot.

      Herzliche Grüße
      Sonja

  • {"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

    Wer schreibt hier?

    die Fuchs

    Ich bin Sonja Fuchs, alias Fuchsmunter – Ernährungs- und Fastencoach aus dem Bergischen Land. Auf meinem Blog dreht sich alles um genussvolles, gesundes Essen und die Kraft von Esspausen. Ich teile praktische Tipps, leckere Rezepte, inspirierende Ideen und meine Überzeugung, dass kleine Veränderungen Großes bewirken können.

    Beschleunige deine Gewichtsreduktion

    Hol dir deine Kurzanleitung zum Kurzzeitfasten !

    Kurzanleitung zum
    Turbo-Fastentag


    Starte den Turbo
    für deine Gewichtsreduktion.

    >